Physische Gesundheit
Der Körper ist Teil des Instruments. Wenn dein Körper viele Jahre als Musiker*in durchhalten soll, ist es klug zu wissen, wie man Verletzungen vermeidet. „Die meisten Musiker*innen kümmern sich sehr gut um ihr Instrument. Sie reinigen es, sorgen für die richtige Temperatur, bringen es zur Wartung und Reparatur. Aber sie kümmern sich nicht so gut um ihren Körper“, sagt Mona Smale. Sie ist Harfenistin und Forscherin mit Schwerpunkt Musikphysiologie. Laut Smale haben viele Musiker*innen schon in jungen Jahren Schmerzen durch falsche Belastung und zu wenig Bewusstsein für ihren Körper.
Aufwärmen ist wichtig
Smale vergleicht Musiker*innen gern mit Athleten, da beide sehr körperlich und leistungsorientiert sind. „Ein Athlet würde niemals trainieren oder an einem Wettkampf teilnehmen, ohne sich vorher aufzuwärmen. Aber sehr wenige Musiker*innen tun das. Sie wärmen ihr Instrument auf, aber nicht ihren Körper“, sagt Smale. Musiker*innen sollten auch eine Gewohnheit entwickeln, sich körperlich und mental aufzuwärmen, um Verletzungen zu vermeiden.
Höre auf deinen Körper
Smale unterteilt die körperliche Arbeit in 3 Kategorien: Bewusstsein, Haltung und Balance.
Bewusstsein
Bewusstsein bedeutet, deinen eigenen Körper kennenzulernen, damit das Spielen so einfach und schmerzfrei wie möglich wird. Nur du kennst deinen eigenen Körper vollständig, kannst sagen, wann es zuviel wird oder wann es weh tut und wann es Zeit ist, rechtzeitig aufzuhören. Je besser Du Deinen Körper kennst, desto leichter kannst Du beurteilen, wann er bereit zum Spielen ist.
Haltung
Haltung bedeutet, sich richtig zu positionieren und auf eine gute Sitzhaltung zu achten, da z. B. Orchestermusiker*innen lange in derselben Position sitzen, während sie arbeiten. Schlechte Sitzhaltung erzeugt Muskelverspannungen, die zu Schmerzen führen können. „Viele Musiker*innen haben – schon in jungen Jahren – Nacken- und Rückenschmerzen, weil sie nicht richtig sitzen“, so Smale. So gewöhnen sich viele etwa an, nach vorne gebeugt zu sitzen oder den Nacken zu krümmen.
Balance
Balance bedeutet herauszufinden, wie das Spielen deinen Körper beansprucht und was nötig ist, um diese Belastung auszugleichen. Streichinstrumentalisten zum Beispiel haben das Instrument immer auf einer Seite ihres Körpers. Diese ungleichmäßige Belastung lässt die Muskeln auf der anderen Seite unterschiedlich wachsen. Das führt zu einem Ungleichgewicht, welches im Laufe der Zeit Schmerzen verursachen kann.
Zum Ausgleich empfiehlt Smale Übungen, die die Muskeln und den Körper entspannen sowie zusätzlich Übungen, welche die schwächere Seite des Körpers stärken und das Muskelungleichgewicht ausgleichen.
Unsichtbare Übungen
Im hektischen Alltag kann es schwierig sein, Zeit zum Aufwärmen zu finden oder auf die richtige Sitzhaltung zu achten.
Smales Tip, wenn lange Sitzungen die Muskeln verspannen: „Ich empfehle, kleine Kreisbewegungen in den Gelenken zu machen, während du sitzt. Egal, ob es um den Nacken, die Schultern, Hüften, Handgelenke o. ä. geht. Das wird deine Muskeln entspannen, aber die Bewegungen sind so klein, dass der Dirigent oder die anderen Musiker*innen es nicht bemerken.“
Um sich ans Aufwärmen zu gewöhnen, empfiehlt sie, dass das Orchester ein regelmäßiges 5- bis 10-minütiges Aufwärmen als festen Bestandteil der Probe für alle einführt. So machen alle mit, und niemand kann entscheiden, ob er es tun möchte oder nicht.
Dr. MMag. Mona Smale arbeitet bei der ÖGfMM, der Österreichischen Gesellschaft für Musik und Medizin. Dieser Artikel basiert auf dem von Erasmus+ unterstützten Projekt "Die Zukunft des Jugendorchesters", bei dem Smale und andere Forscher mit Musiker*innen des Norsk Undgomssymfoniorkester (NUSO) und des Landesjugendorchesters Hamburg (LJO Hamburg) zusammenarbeiteten.
Text: Marte Fillan
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