Gehörschutz
Wenn das Gehör beschädigt wird, kann es nicht repariert werden. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, wie man das Gehör schützt, während man trotzdem gut spielt. „Viele Musiker geben viel Geld für den Schutz und die Pflege ihres Instruments aus, aber tun nichts für den Schutz ihres Gehörs“, so Dr. Mattias Bertsch von der Österreichischen Gesellschaft für Musik und Medizin (ÖGfMM). Er ist Professor, Trompeter und Forscher, der sich auf Akustik und Schalldruckpegel spezialisiert hat. Seiner Meinung nach müssen wir viel mehr darüber sprechen, wie man seine Ohren schützt, wenn man täglich von lauten Geräuschen umgeben ist.
Ohren brauchen Ruhe
Wenn man trainiert, ermüden die Muskeln im Körper und brauchen Ruhe. Dasselbe gilt für die Zellen in den Ohren, erklärt Bertsch. Je mehr Schall man tagsüber ausgesetzt ist, desto mehr ermüden die Hörzellen und man hört schlechter. Schlimmstenfalls wird das Gehör dauerhaft geschädigt.
Effektiver Schutz
Einige Schallpegel können für die Ohren bereits nach wenigen Sekunden schädlich sein, wie eine Trompete im forte fortissimo (fff). Man kann jedoch die meisten Blechblasinstrumente bis zu einer Stunde lang hören, bevor es schädlich wird, wenn sie in einem normalen Lautstärkepegel spielen.
Der beste Schutz ist laut Bertsch die Verwendung von Ohrstöpseln. „Es gibt viele verschiedene Arten, von ein paar Euro bis zu mehreren Hundert Euro. Mindestens sollte man sich die billigeren besorgen, aber die beste Option sind maßgefertigte Ohrstöpsel. Und sobald man diese gekauft hat, kann man sie viele Jahre lang benutzen“, so Bertsch.
Die Tabelle auf Seite 2 zeigt auf, wie lange man ohne Gehörschutz welcher Schallquelle ausgeliefert sein darf, ohne dass das Gehör Schaden nimmt:
Gehörschutz von Anfang an
Das Wichtigste ist laut Bertsch, einen Weg zu finden, die Ohren zu schützen, der für dich und dein Instrument funktioniert. Dieses gilt insbesondere auch für junge Menschen. Seine Tips:
- Sei kreativ beim Einsatz von Ohrstöpseln. Versuche, sie zum Beispiel abwechselnd in einem Ohr zu tragen und nach einer Weile zu wechseln.
- Übe, sie beim Spielen ein- und auszusetzen, damit du dich anpassen kannst, wenn du weißt, dass der Schallpegel laut wird.
- Trage die Ohrstöpsel an einem Band um den Hals, so sind sie leicht zu greifen und schwer zu verlieren.
- Mach es dir zur Gewohnheit, die Ohrstöpsel immer griffbereit zu haben, in deiner Hemdtasche, auf dem Notenständer oder um den Hals. So werden sie auch benutzt.
- Übe mit niedrigerer Lautstärke, wenn du kannst. Du musst normalerweise nicht jedes Mal mit voller Lautstärke üben, auch wenn du sie für das Konzert brauchst. Außerdem ist es sehr wichtig, Pausen einzulegen, damit sowohl der Körper als auch die Ohren sich erholen können. Forschungen zeigen laut Bertsch, dass das Gehör besser funktioniert, je länger die Pause zwischen einer drei Stunden langen Probe am Morgen und einer weiteren Sitzung später am Tag ist.
Empfehlung für Musiker-Ohrstöpsel im mittleren Preissegment (nicht maßgefertigt):
Ohrstöpsel für Musiker Kaufen? | Alpine Hearing Protection
Dr. Mattias Bertsch ist der Leiter der ÖGfMM, der Österreichischen Gesellschaft für Musik und Medizin. Dieser Artikel basiert auf dem von Erasmus+ unterstützten Projekt "Die Zukunft des Jugendorchesters", bei dem Bertsch und andere Forscher mit Musiker*innen des Norsk Undgomssymfoniorkester (NUSO) und des Landesjugendorchesters Hamburg (LJO Hamburg) zusammenarbeiteten.
Text: Marte Fillan
Haftungsausschluss: Dieser Artikel ist mit Sorgfalt recherchiert, sowie durch Quellennachweise belegt, und soll als Orientierungshilfe dienen, indem er bei der Entlastung ihres Ehrenamtes mit grundlegenden rechtlichen Anhaltspunkten unterstützt. Es wird dabei jegliche Form der Haftung bzgl. angesprochener Inhalte ausgeschlossen.
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